Bildung in Zeiten von Corona

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    Petra Zanker
    Verwalter

    Die Schließungen haben zu einer massiven Verstärkung der Ungleichheit im Bildungsbereich sowie zu psychischen und sozialen Dauerbelastungen unserer Kinder und Jugendlichen, sowie der mitleidenden Eltern geführt.

    Es ist höchste Zeit, über Alternativen zu Schulschließungen nachzudenken: Unterricht im Freien, Abwechslung zwischen Fabrik- und Schulschließungen usw., zumal inzwischen viele Lehrer*innen geimpft sind und an den Schulen getestet wird. Vor allem ist nicht einzusehen, warum sich Bayern nicht an die nun beschlossenen bundesweiten Regeln hält, durch die ja gerade Einheitlichkeit erreicht werden sollte. Die bayerischen Schüler*innen und Student*innen sollten nicht schlechter gestellt werden als im Rest von Deutschland.

    Wie der renommierte Bildungsforscher Professor Klaus Zierer an der Universität Augsburg schon in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen am 21.01.2021 feststellte, haben Kinder in unserer Gesellschaft nicht die höchste Priorität. Dabei sind sie die Zukunft der Gesellschaft, also alles.

    Und die Bedürfnisse unserer Kinder, insbesondere der kleinen, bleiben gerade in einem extremen Maße unerfüllt: Bewegung und Begegnung, direkter Kontakt mit Pädagogen und Kameraden, vielfältige Betätigung aller Sinne, gemeinsames Spiel, neugieriges gemeinsames Erforschen der Umgebung. Lernen und Entwicklung im weitesten Sinne.

    Der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther zeigte sich am 24. Januar im Deutschlandradio sehr besorgt, weil die längerfristige Unterdrückung von Bedürfnissen – und 1 Jahr dauert für ein siebenjähriges Kind so lange, wie 10 Jahre für einen siebzigjährigen Erwachsenen – das Gehirn verändert. Das Motivationszentrum im Gehirn wird durch hemmende Verschaltungen regelrecht eingekapselt, so dass das Bedürfnis nicht mehr spürbar ist. Aber auf Dauer gehen die Bedürfnisse selbst verloren, beispielsweise nach Bewegung und Körperkontakt. Und das sei nicht ohne weiteres reparabel.

    Am 01.02.2021 kam in der NZZ die Professorin Caroline Klaver, Spezialistin für Genetische Epidemiologie und Augenkrankheiten zur Quarantäne-Mijopie zu Wort. Sie berichtete über Studien, die eine Verschlechterung der Sehkraft um 0,3 Dioptrin nach einem halben Jahr Lockdown in der Alterstufe der 6 – 8 jährigen nachweisen, mit großem Erblindungsrisiko im Alter auf Grund des unnatürlichen Längenwachstums des kindlichen Auges.

    Ein weiterer Aspekt wurde immer wieder und von vielen betont, wodurch sich seine Relevanz ja nicht verringert: der Lockdown vergrößert die Ungleichheit. Kinder von Geflüchteten oder von anderen Zugezogenen benötigen das Bad in der lebendigen Sprache, um sich sprachlich weiterentwickeln und integrieren zu können, zudem hapert der Distanzunterricht nicht nur an fehlender Hard- und Software, sondern eben auch an den Sprachbarrieren, die bei direkter Einwirkung der Lehrerpersönlichkeit viel weniger ins Gewicht fallen. Es gibt Familien, die können sich private Nachhilfelehrer engagieren oder ihre Kinder selbst zu Hause fördern, die Regel ist das aber nicht. Wenn mehrere Kinder gleichzeitig Hilfe brauchen und das neben dem Homeoffice, entstehen Belastungssituationen, die nach so langer Zeit dringend beendet werden müssen. In vielen Elternhäusern gibt es auch gar nicht für alle die notwendige räumliche Rückzugsmöglichkeit für sinnvolles Lernen. Was Deutschland schon immer von der OSZE vorgeworfen wird, nämlich dass der Bildungserfolg so stark wie nirgendwo anders von der sozialen Herkunft der Kinder abhängt, wird durch die aktuelle Anti-Covid-Strategie in unerträglicher Weise verschärft.

    Zu Recht weist Gerald Hüther auch darauf hin, dass vom Online-Unterricht solche Kinder etwas haben, die von sich aus wiss- und lernbegierig sind. Viele Kinder verfügen aber nicht über diese Voraussetzung. Solche Kinder brauchen den direkten Kontakt zu einer engagierten Lehrerpersönlichkeit, die ihnen hilft, Interesse zu entwickeln. Sie können sich am Bildschirm oft nicht konzentrieren und finden keinen Zugang, davon abgesehen, dass es nicht kindgerecht ist, wenn schon kleine Kinder Stunden vor dem Bildschirm verbringen.

    Zum Schutze der physischen Gesundheit gefährden wir gerade die seelische Gesundheit so vieler – mit unabsehbaren Folgen.

    Es braucht einen runden Tisch aus Eltern, Pädagogen, Psychologen, Gesundheitsamt, Verwaltung und Politik um Strategien zu finden, wie die Gesundheit gefährdeter Menschen geschützt und gleichzeitig die langfristige Gesundheit und die Grundrechte unserer Kinder gewährleistet werden können! Sofort!

    Isabella Geier

     

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